KULINARIK & GENUSS/Rezepte

Rezept: Alles Käse oder was?

Heute gibt es mal ein Rezept für Käse- oder Quarkkuchen, Quarktorte, Kaskuchen, Topfentorte oder Cheesecake. Nennt das Zeug, wie ihr wollt. Alle diese Begriffe bezeichnen im Endeffekt ja doch ein- und dasselbe: ein Backerzeugnis, dass hauptsächlich aus jeder Menge Quark besteht. Wie das Mischverhältnis mit anderen Zutaten wie Eiern, Zucker oder Frischkäse dabei ausschaut variiert von Land zu Land und von Rezept zu Rezept. Ich hatte das Glück den käsigsten Käsekuchen aller Käsekuchen zu finden und bin ihm nun schon eine ganze Weile treu. Da meiner Meinung nach zu jedem guten Rezept auch eine gute Geschichte gehört, wird die gleich mitgeliefert.

Vor einem guten Jahr haben meine Freundin I. und ich in der Prüfungsvorbereitungszeit beschlossen, dass es uns nicht mehr reicht „nur“ zu diesen durchschnittlich motivierten Studierenden, die sich zum Lernen von Montag bis Samstag in den Lesesaal der Uni-Bibliothek schleppen, zu gehören. Nein, wir haben uns doch tatsächlich, wenn auch nur kurzfristig – für so ungefähr 24 Stunden, eingebildet, dass wir zu Höherem bestimmt sind. Und zwar dazu, in den kleinen Kreis der SuperstreberInnen aufgenommen zu werden!

Die Superstreberinnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich sogar am Sonntag in eine der wenigen geöffneten Bibliotheken der Stadt aufraffen und sei es, dass sie dafür 90 Minuten quer durch Wien fahren müssen.

An besagtem Sonntag war es also auch bei uns so weit. Schon beim Einlass in die heiligen Hallen des MAK fiel uns jedoch auf, dass wir nicht so ganz zu den anderen Lerneifrigen passen wollten. Im Vergleich zu diesen führten wir verhältnismäßig wenig „Gepäck“ mit uns. Warum denn auch, wenn Laptop und Skriptum in jede Handtasche normaler Größe passt, fragten wir uns und musterten die Mädels, die ihre Lernsachen aus den Taschen, mit denen sie locker eine Woche verreisen hätten können, zogen, leicht irritiert.

Im Laufe des Tages kamen wir hinter ihr Geheimnis: ihre Reisetaschen boten Thermoskannen voller Kaffee und mehreren Lunchpaketen reichlich Platz. Dass das auch bitter nötig war, merkten wir schnell – nämlich als wir nach einer Stunde fleißigster Paukerei befanden, dass es an der Zeit für einen mindestens halbstündigen Kaffeeklatsch wäre und entsetzt feststellen mussten, dass im ganzen Gebäude kein einziger Kaffeeautomat zu finden war! Noch schlimmer wurde es, als uns einfiel, dass ja Sonntag und folglich alle umliegenden Geschäfte, welche uns mit einem belegten Brötchen versorgen hätten können, geschlossen sind.

In der Sorge um ein eventuell ausfallendes Mittagessen verlief unser Vormittag recht unruhig und die Konzentration auf den Lernstoff zu richten fiel uns deutlich schwer. Nervös rutschten wir auf unseren Stühlen hin und her und warfen uns besorgte Blicke zu. Etwas besser wurde es, als I. einfiel, dass sie gegenüber dem MAK eine Filiale der amerikanischen Kaffee-Hauskette unseres Vertrauens gesehen habe. Als sie mir verschwörerisch „Da gibt es Cheesecake“ (wir sind beide bekennende Fans!) zuraunte und unser Gegenüber sich wiederholt und noch lauter räusperte, um unmissverständlich klar zu machen, dass ihm unsere „Flüsterei“ allmählich zu viel wurde, war bei mir wieder alles in Butter. Mit der Aussicht auf Cheesecake zu Mittag konnte ich leben! Brav lernten wir noch ein wenig weiter und machten uns dann auf zu unserem Ziel.

Wir wurden bitter enttäuscht. Der Cheesecake sah zwar wunderschön aus, aber er schmeckte einfach nicht so wie sonst. „Der Boden ist zu weich.“ und „Er ist zu wenig cremig“, sagte ich. „Er ist einfach nicht richtig cheesy!“, meinte I. Wir begannen über den perfekten Cheesecake zu philosophieren, fragten uns im Laufe unserer Schwärmerei, warum wir eigentlich noch nie auf die Idee gekommen waren, selber einen zu backen und nahmen uns vor bald einen Versuch zu starten!

Eine Woche später war es endlich soweit. Wir hatten die Prüfungen – trotzdem, dass wir die  Bibliothek am Sonntags aus Frust über den nicht so köstlichen Cheesecake frühzeitig verlassen hatten – relativ gut hinter uns gebracht und waren zu alle Schandtaten, die man in einer Küche mit Topfen beziehungsweise Quark anstellen kann, bereit. Motiviert machten wir uns ans Werk und versuchten uns an einem „Original American Cheesecake“ einer amerikanischen Foodbloggerin. Long story short: es wurde nichts. Dem folgten ungefähr drei weitere Versuche, die ebenso jämmerlich schief gingen. Nicht, dass man die Kuchen nicht essen hätte können, nein das nicht, aber es fehlte ihnen entweder an Geschmack, der richtigen Konsistenz oder Form. Und keiner hatte „das gewisse Etwas“. Wir gaben auf und hofften einfach darauf, dass der nächste gekaufte Cheesecake wieder besser munden würde!

Einige Wochen später kam I. nach einem Heimatbesuch in Berlin ganz aufgeregt mit Mamas Rezept „Käsetorte“ und einer Geheimzutat namens „Käsekuchenhilfe“ – die ich im übrigen bisher in noch keiner österreichischen Backwarenabteilung finden konnte – an. Waghalsig wie wir zwei in der Backstube nun mal so sind, starteten wir sogleich einen neuen Versuch und siehe da plötzlich war nicht mehr alles Käse. Oder schon, aber eben genau so, wie es sein sollte! Ohne Tränen verabschiedeten wir die gefühlten hundertfünfundtausend amerikanischen „Cheesecake“-Varianten, die wir getestet hatten und jubelten den Kalorien in Form der guten alten deutschen „Käsetorte“ ein Halleluja! Klingt zwar nicht so gut, schmeckt dafür umso besser!

Hier nun das, meiner Meinung nach, beste Rezept für ein käsiges Kuchen-Vergnügen in einer runden Form von 24 cm Durchmesser:

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300 g Mehl und 100 g Zucker in einer Schüssel mischen. Ein Ei und die 200 g kalte Butter in Flöckchen dazu geben und das ganze dann zu einem Teig verkneten. Ausgerollt und in die Form gelegt, bildet der Teig den Kuchenboden. Mit den überstehenden Resten könnt ihr einen Rand machen. Das Ganze kommt für 15 Minuten bei 225 Grad in den Backofen.

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Während der Boden vorbäckt, wird die Quarkmasse gemacht. Dafür mischt man:

750 g Quark, 150 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 2 1/2 Eingelb, den Saft einer Zitrone sowie eine Packung Käsekuchenhilfe und mischt nach und nach 1/4 l Milch unter. Damit das Ganze schön luftig-locker wird werden noch drei Eiweiß zu Eischnee geschlagen und mit einem Löffel vorsichtig unter die Masse gehoben. Das Ganze kommt dann auf den Mürbteigboden und alles zusammen darf nochmals für eine gute Stunde bei 160 Grad in den Ofen.

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Die Quarkmasse könnt ihr übrigens im Geschmack durch Untermischen von Heidelbeeren, Himbeeren, Kirschen oder Nüssen und Ähnlichem variieren. Es ist fast alles, was ich bisher ausprobiert habe bei meinen Käsefreunden sehr gut angekommen. Ihr könnt auch die Quarkmasse auf den noch rohen Mürbteig geben und alles zusammen dafür ein bisschen länger backen. Das habe ich mal versehentlich gemacht und der Kuchen war genau so lecker. Denn das einzig wirklich Wichtige für ein gutes Gelingen der Käsetorte ist meiner Meinung nach ganz einfach diese Käsekuchenhilfe. Und das obwohl mir ansonsten Kochen aus dem Päckchen nicht in die Tüte kommt. Und ich will auch wirklich gar nicht wissen, was sie in die Käsekuchenhilfe rein mischen. Einhorntränen oder etwas ähnlich verboten Geniales wahrscheinlich. Am Besten ausnahmsweise mal nicht darüber nachdenken und einfach schmecken lassen!

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3 Kommentare zu “Rezept: Alles Käse oder was?

  1. Da musst ich doch wirklich herzlich lachen und mir eine Träne aus den Augen wischen. Es ist einfach schön, wenn man Menschen trifft, die Käsekuchen genauso lieben :)

  2. Pingback: Cheesecake-Testing | die bloggerin

  3. Pingback: Durchs Wochenende mit… Julia - NEON Blog

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