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#stopthebeautymadness

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In den letzten Tagen bin ich im Internet öfters über die neue Kampagne „Stop The Beauty Madness“ gestolpert. Dabei handelt es sich um eine Serie von 25 Anzeigen der Amerikanerin Robin Rice , Autorin und Gründerin der Be Who You Are Productions. Die Kampagne wurde gestartet, um Frauen von der (teils unbewusst vorhandenen) Idee abzubringen, ihr Wert definiere sich über ihr äußeres Erscheinungsbild, ihre sichtbare Schönheit. „Ach schon wieder so eine Esst-mehr-Werbung“, war der erste Gedanke, der sich mir aufdrängte. Nicht, dass ich finde, dass die Bewusstmachung von Schlankheitswahn in unserer Gesellschaft unnötig wäre, ganz im Gegenteil, aber mich nervt in letzter Zeit generell diese nicht nur medial, sondern inzwischen auch in sozialen Netzwerken, extrem vorhandene Fixierung auf Körper, Sport und Essen. Dabei nerven mich, die die dauernd darüber reden genauso wie die, die sich darüber aufregen, dass dauernd darüber geredet wird. Natürlich alle drei Themenbereiche hängen zusammen und letztere beiden haben Einfluss auf ersteren. Das war schon immer so und die Formel „Richtige Ernährung+Sport=gesunder Körper“ ist bei Gott nichts Neues. In einer Zeit, in der das „Selfie“ zum Wort des Jahres gewählt wurde, bezieht sich die virtuelle Selbstinszenierung in Zusammenhang damit aber immer mehr auf Körperkult und das finde ich echt anstrengend.

Bildschirmfoto 2014-07-19 um 12.01.04 Vor allem Instagram ist voll von Hashtags zu Fitness und gesundem Essen. Gerne wird man dann auch mit perfekt gestählten Oberkörpern bei den Männern und einwärts gehenden Bäuchen und der berühmten #thighgap (der Lücke zwischen den Oberschenkeln) bei Frauen konfrontiert. Auch die Modeindustrie – unter anderem anscheinend Abercrombie & Fitch – trägt durch Einführung von Kleidergröße Triple Zero zum Schlankheitswahn bei. Viele Hollywoodstars und It-Girls nehmen immer mehr ab und werden zudem auf den Covern diverser Zeitschriften mit  Bildbearbeitungsprogrammen“ nicht nur noch „dünner und schöner“ gemogelt, sondern zeigen sich selbst in sozialen Netzwerken gerne knochig-mager. Apps, die dabei helfen sind zum Beispiel die „365 Perfect App“, die die abgebildete Person durch den richtigen Filter im Nu nicht nur schlanker aussehen lassen, sondern auch Falten oder Hautunreinheiten beseitigen, asymmetrische Gesichtszüge ausgleichen und einem das perfekte Make-Up verpassen. Stars machen es vor, Normalos machen es nach. Gegenwärtig kann jeder Nobody sich wie ein Somebody fühlen. Da kann schon mal das Gefühl aufzukommen wichtig zu sein, weil man sich nach bestehenden Schönheitsidealen gut inszeniert und genug Followers hat, die dafür brav Likes in rauen Mengen verschenken. Da wir über unsere Fotos der fremden Fangemeinde auf Instagram oder Twitter aber nur unser Äußeres präsentieren können und wenig bis gar nichts von unserer Persönlichkeit durchkommt, heißt es für viele mitziehen, was die Körperinszenierung angeht.

10-beautySich über Aussehen und Figur zu definieren, ist allerdings nicht nur in der Internet-affinen und Social-Network-erprobten Generation ein Thema, sondern allem voran in der Modeindustrie. Schönheitsideale und Mode gehen wahrscheinlich schon immer Hand in Hand, wobei das eine das andere bestimmt. Dementsprechend ist auch bei Modemenschen logischerweise Figur und Essen ein ebenso beliebtes wie leidiges Thema. Auch bei uns in der Moderedaktion kommt das immer wieder auf. Es tut fast ein wenig weh, das Klischee bestätigen zu können, aber Personen mit einem unbekümmerten Verhältnis zu Ernährung oder einer gesunden Portion Selbstbewusstsein, was den eigenen Körper angeht, sind eher rahr. Warum sollte das aber auch anders sein, in einer Branche, die tagtäglich eben nicht nur mit Mode oder Kleidung, sondern auch mit makellosen Körpern und perfekten Gesichtern zu tun hat?

Um zu „Stop The Beauty Madness“ zurückzukommen: ich finde die Kampagne gut. Rice geht es darum den Wert von Schönheit allgemein in Frage zu stellen und in einem zweiten Schritt eine Änderung was unser Bild von Schönheit angeht, anzustoßen:

„We look at beauty magazines and fashion photographs and whether we theoretically believe in them or not, we’ve seen so many of them and they’ve been put into exactly the right light and ratio that something inside of us has said ‚That’s beautiful,'“ Rice told HuffPost. „Whether or not we believe in it intellectually, something deeper has set in and we compare ourselves to that.“ (…) „Maybe the next time you look at a magazine, you may have a split second in which you question whether or not that gets in your head again,“ said Rice. „We want to create that split second where you think, ‚Wait a minute. Do I really believe in this?'“

thinEs wurden vielfach diese typischen, an jeder Straßenecke und Bushaltestelle zu findenden Plakate, von denen die perfekte Frau herunterlächelt und uns ein Produkt verkaufen will, nachgestellt und mit zum Nachdenken anregenden Überlegungen und teilweise erschütternden Slogans versehen. So wird ein völlig neuer Kontext geschaffen. Rice legt zudem auch viel Wert darauf, zu zeigen, dass wir alle unterschiedlich sind und diese Vielfalt allgemein etwas ist, dass in der heutigen Gesellschaft oft gerechtfertigt werden muss. So sehen sich ja nicht nur Übergewichtige, in einer Welt, in welcher wir zunehmend nach Äußerlichkeiten beurteilt werden, vorverurteilt. Nein auch sehr schlanke Frauen (und ja es soll auch welche geben, die einfach von Natur aus so sind) sehen sich oft mit dem Verdacht auf Magersucht konfrontiert. Sehr sportliche Frauen hingegen werden schnell als zu kräftige Mannsweiber angesehen. Bildschönen Jugendlichen traut man nicht zu, dass sie auch etwas im Kopf haben und bereits kleine Mädchen haben nur ein Ziel, was sie werden möchten, wenn sie groß sind: pretty! Rice ist dagegen, dass man sich dazu genötigt fühlen sollte, zu begründen, warum man sich zum Beispiel den eigenen Modelmaßen zum Trotz für ein Chemiestudium entscheidet, anstatt über Laufstege in Paris und Milano zu stöckeln, warum man als Frau zum Spaß Bodybuilding betreibt oder warum man eben einfach so ist, wie man ist und sich auch mit Schenkeln und Hüfte wohl fühlt. Denn so kitschig es klingt, wahre Schönheit kommt im Endeffekt immer von Innen. Vielleicht sollten wir uns also in Zukunft wieder etwas mehr darauf konzentrieren Charakter  und Persönlichkeit zu pimpen …

 02-fatPretty-Grow-Up-Stop-The-Beauty-Maddness Stop the beauty madness

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