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Von intensiv küssenden Katzen und traurigen Fantis.

Emojis nehmen seit geraumer Zeit einen wichtigen Platz in unserem Leben ein, da sie unser Verhalten in allem, was mit digitaler Kommunikation – also in Chat-Apps wie Whats-App oder Skype, in SMS oder auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. – zu tun hat, maßgeblich mitbestimmen. Das digitale Zeichensystem besteht aus Bildschriftzeichen, also Ideogrammen, die in SMS und Nachrichten Begriffe ersetzen oder Gesagtes visualisieren und dadurch unterstreichen oder emotional färben können. Im Unterschied zu Emoticons sind Emojis weiter gefasst und nicht nur auf Emotionen wie Freude, Angst oder Ärger beschränkt, sondern können auch ganz simpel  für Lebewesen, Dinge oder Tätigkeiten stehen.

Erfunden hat die putzigen kleinen Symbole Ende der Neunziger Jahre der Japaner Shigetaka Kurit für die Telefongesellschaft, bei der er damals beschäftigt war. Mittlerweile gibt es rund 900 Emojis, die Menschen, Tiere, Pflanzen, Verkehrs- und Nahrungsmittel, Wetterlagen oder Sportarten zeigen. Es gibt fast nichts mehr, was nicht mit Emojis zum Ausdruck gebracht werden kann. Das hat der Video-Anbieter Dissolve zum Anlass genommen um den Einzug der so beliebten Emojis in unseren Alltag mit einem Video zu dokumentieren:

Im Video werden die kleinen süßen Symbole aber nicht nur gefeiert, sondern es werden auch die Missverständnisse angesprochen, die durch ihre Verwendung entstehen können. Denn obwohl die Teile oft schon ganz automatisch eingesetzt werden, um in Textnachrichten Stimmungen auszudrücken und Missverständnisse zu vermeiden, beispielsweise wenn etwas witzig oder sarakastisch gemeint war, so können sie doch auch Missverständnisse erzeugen. Obwohl ihre Bedeutung eigentlich klar festgelegt auf emojipedia nachzulesen ist, versteht tatsächlich nicht jede Person unter jedem Emoji dasselbe. Manche sind relativ universal. Wird der lachende Smiley geschickt, ist ziemlich eindeutig, was gemeint ist. Emojis im konkreten Textzusammenhang immer exakt richtig zu deuten ist allerdings so manches Mal eine Kunst für sich und lässt viel Raum für Interpretation. Der Dash-Emoji beispielweise  ist für alle Ewigkeit ein offizielles Schriftzeichen im Zeichensatzstandard Unicode und es kann damit sowohl Wind als auch unangenehmer Geruch gemeint sein. In Kombination mit dem laufenden Männchen, kann es also heißen, dass man eilt wie der Wind oder eben das man … pupst.

Emojis sind so alltäglich geworden, dass sie meist ohne groß nachzudenken eingesetzt werden. In Zeiten von Tinder und Co., in denen sich viele aber in der Anfangsphase gerne erst mal über digitale Kommunikationkanäle etwas näher kennenlernen, kann dann in manchen Fällem aber auch schon mal ewig darüber nachgedacht werden, ob und welches Emoji gerade angebracht ist oder warum die Person, mit der man schreibt, keines geschickt hat: „Und er hat nicht mal einen Smiley dazu gemacht!“ (OMG!). Wenn hingegen Früchte und Co. herumgeschickt werden, befindet man sich schon auf einer höheren Stufe, denn auch für das Flirten am Handy gibt es laut einem Artikel auf Stylebook so einiges zu beachten. Es sei hier nur soviel dazu gesagt, dass wenn Auberginen und Pfirsiche rumgeschickt werden, es nicht immer nur um rein kulinarische Gelüste geht …

Bildschirmfoto 2014-07-27 um 12.36.05 Bildschirmfoto 2014-07-27 um 12.36.29Ein Spiel, das in eine etwas andere Richtung geht, haben sich einige nerdige Köpfe bei der diesjährigen republica ausgedacht und das Emoji Karaoke erschaffen! Dabei müssen Popsongs so schnell wie möglich in Emojis übersetzt werden. Die TeilnehmerInnen haben 60 Sekunden Zeit und senden ihren Lösungsvorschlag per Smartphone an den Spielleiter. Im Anschluss stimmt das Publikum darüber ab, welcher Vorschlag am besten geglückt ist!

Bildschirmfoto 2014-07-27 um 12.06.42Emojis sind also nicht nur immer toll, sondern bereiten uns hin und wieder auch mal ordentliches Kopfzerbrechen. Warum wir sie trotzdem lieben? Weil sie manchmal dann aber auch wieder mehr als 1000 Worte sagen. Die Seite FiveThirtyEight hat Twitter unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass unter den zehn meist genutzten Emojis vier Stück sind, die auf irgendeine Art und Weise durch ein integriertes Herz Liebe und Zuneigung zum Ausdruck bringen. Das meist genutzte Emoji ist das Herz, gefolgt von den Herzaugen auf Platz vier, einer weiteren Herzvariante auf Platz 7 sowie dem Herzküsschen auf Platz acht. Ein Herz ist schnell verschickt, es sagt ohne langes Rumgerede ganz einfach „Ich mag dich/das“, spart Zeit und Energie. Man könnte aber auch sagen es unterstützt wie so viele andere Emojis ganz einfach unsere Faulheit. So gibt es einige Sprachwissenschaftler, die die sich auf dem Vormarsch befindenden digitalen Schriftzeichen als Verkümmerung der Sprache deuten. Auf DW.de wird das Ganze aber entschärft. Sprachwissenschaftler Peter Schlobinski von der Leibniz-Universität Hannover findet zum Beispiel nicht, dass das Ganze allgemein einen schlechten Einfluss auf die Sprache hat, da Emojis ja auf gewisse Kommunikationskanäle beschränkt bleiben. Weiters ist auf DW.de dazu Folgendes zu lesen:

Die „digital natives“ seien zu faul, sich in präzise in Worten auszudrücken. Sozialpsychologin Tina Ganster hingegen hält Emojis vor allem für „eine kreative Weise, mit den Beschränkungen der digitalen Kommunikation umzugehen.“ Sie vergleicht die digitalen Bildchen mit unserer non-verbalen Kommunikation im realen Leben. Mimik, Körpersprache und Tonfall vermitteln sich über einen geschriebenen Text nicht. In kurzen Online-Texten sind Emojis oft die einzige Möglichkeit, Gefühle zu transportieren

Da ist was dran. Also sind wir doch froh, dass wir die kleinen Dinger haben. Denn ein Leben ohne intensiv küssende Katzen, traurig wirkende Elefanten oder verlegene Äffchen wäre doch im Großen und Ganzen viel zu nüchtern.

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Ein Kommentar zu “Von intensiv küssenden Katzen und traurigen Fantis.

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