GEDANKENSPIELE/Liebe & Freundschaft

Eine Ode an die Lieblingsmenschen.

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Vor drei Jahren wurde durch eine Vollversammlung der Vereinten Nationen der Internationale Tag der Freundschaft ausgerufen. Es geht vordergründig um Völkerverständigung. Neben der Bedeutung der Freundschaft zwischen Ländern und Kulturen, geht es aber auch um jene zwischen Personen. Vergangenen Mittwoch, am 30. Juli, war Internationaler Tag der Freundschaft, was an mir jedoch beinahe vollkommen spurlos vorübergegangen ist und das ist – finde ich – irgendwie ziemlich schade. Denn so kitschig es auch klingen mag, machen uns unsere wahren Freundschaften reicher als alles Geld der Welt. Wer gute Freundschaften pflegt ist seelisch wesentlich stabiler und lebt laut Freundschaftsforscher Wolfgang Krüger rund zwanzig Jahre länger. Oft nehmen wir Freundschaften aber als selbst verständlich hin. Es gibt einen Tag für den Partner, einen für die Mama, für den Papa, für das Haustier und gar die Jogginghose. Sie alle werden wahrgenommen, während der Freunde-Tag an uns vorbeizieht wie jeder andere. Dabei finde ich es eigentlich mehr als angebracht, Freundschaft einmal im Jahr zu feiern, über sie nachzudenken und sich mal wieder zu sagen oder zeigen, wie viel man sich bedeutet.

Freundschaft definieren zu wollen ist kein leichtes Unterfangen, da eben keine Freundschaft der anderen ähnelt. Selbst das vertrauenswürdigste aller Lexikons Wikipedia weiß nicht mehr dazu zu sagen als, dass es ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet, ist. Eine Beziehung zweier Personen, die sich zugeneigt sind, sich mögen und einander vertrauen, ist also freundschaftlich. Das ist dann aber wohl die kleinste Schnittmenge dessen. Denn Freundschaft ist einfach so unglaublich viel mehr. „Freundschaft ist wie Liebe, nur mit Verstand“, hat meine Oma früher mal zu mir gesagt. Dieser Satz ist mir hängengeblieben und auch wenn ich ihn als kleines Mädchen nie so ganz verstanden habe, trifft diese Aussage für mich den Nagel mittlerweile aber ziemlich genau auf den Kopf.

IMG_3892Freunde sind wichtig und prägen. Sie wachsen mit dir und lassen dich wachsen. Und das von Kindesbeinen an bis zur gemeinsamen Ausfahrt mit dem ersten Rollator. Freunde begleiten uns in unterschiedlichen Lebensabschnitten, sie kommen und gehen und sind aber immer eines und zwar unglaublich wichtig.

Deine Sandkastenfreunde sind so wichtig, weil ihr gemeinsam nicht nur Sandburgen, sondern später auch Hütten und Baumhäuser gebaut habt. Weil sie als einzige die besten Verstecke in ihrem und eurem Garten kennen,  sich mit euch darin gemessen haben, wer höher schaukeln kann und einfach aus Prinzip um die grüne Hälfte vom Twinni gestritten wurde. Deine besten Schulfreunde haben dann über Jahre hinweg mitbekommen, wieviel Angst du davor hattest auf die Mathe-Arbeit eine schlechte Note zu kriegen, warum du nicht beim Tanzkursabschlussball warst oder wie sehr du den Schwimmunterricht gehasst hast. Wichtig sind sie auch, weil sie dabei waren, als du deine erste Zigarette geraucht und deinen ersten Kater hattest. Weil sie sich mit dir gemeinsam über strenge Eltern geärgert haben, wissen wie du mit Zahnspange aussiehst und warum du dein Lieblingsshirt von mit sechzehn inzwischen mehr als nur ein bisschen peinlich findest.

Es sind die Freunde, die du nachdem du von zu Hause ausgezogen bist, nicht mehr so oft siehst, bis es immer weniger wird und bei den meisten irgendwann ganz aufhört. Das ist schade, schmälert aber nicht den Wert des gemeinsam Erlebten und verbindet trotzdem irgendwie für immer. Denn auch wenn Sandkasten- und Schulfreunde ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr wirklich verfolgen, wohin dich das Leben treibt, so wissen sie doch immer woher du kommst.

IMG_3890Der Mensch kann nur eine gewisse Anzahl an wirklich guten Freunden zu einer bestimmten Zeit haben. Unterschiedlichen Studien zu Folge geht es dabei um ungefähr eine Handvoll. Während dem Studium sind es oft die, die die gleichen Interessen haben und daher etwas Ähnliches machen. Anfangs wird vielleicht noch davon geträumt etwas Großartiges zu machen, vielleicht sogar etwas in dieser Welt zu verändern oder ein Jemand zu werden, um sich dann nach geraumer Zeit irgendwann doch damit abzufinden in der Werbung oder der PR gelandet zu sein. Was diese Freunde aber ausmacht, ist, dass sie meist wissen, wer du gern sein möchtest und warum. Sie kennen deine Zukunftsträume und haben eine Vorstellung davon, wo du dich in zehn Jahren siehst. Wenn du das aber nicht mal selber weißt, so verurteilen sie es auch nicht, dass du absolut keinen Plan dessen hast, was du nächste Woche oder in einem halben Jahr machen wirst. Es ist kein Problem, sondern macht manchmal sogar ziemlich viel Spaß sich mit ihnen im Finden zu verlieren und dabei zwischendurch mal ein Semester dem Nichtstun zu frönen. Schließlich sind sie ja auch die, die dich dann in deiner morgens um fünf getroffenen Entscheidung dein Wirtschaftsstudium zu schmeißen, unterstützen, weil sie wissen, dass du damit ohnehin nie glücklich warst und es auf Dauer auch einfach nie werden wirst.

IMG_3889Manche Freundschaften begleiten uns ein Leben lang, andere halten nur eine Partynacht, ein Praktikum oder eine dreiwöchige Australienreise durch. Es gibt Freundschaften, die sind verdammt kompliziert, während andere mehr so „easy like sunday morning“ bestehen. Es gibt tiefe Freundschaften, die uns fordern, an unsere Grenzen treiben und uns mit uns selbst konfrontieren. Und dann gibt es Freundschaften, die einfach nur da sind und uns gut tun. Das sind die Freunde, mit denen wir unseren Alltag bestreiten, unser Leben genießen, unsere Problemchen und Freuden teilen. Es gibt Freundschaften, für die man sich irgendwann bewusst entscheiden muss und andere die uns einfach irgendwie so zwischen Tür und Angel passiert sind. Einige Freundschaften laufen geradlinig, andere mit Unterbrechungen, manche sind kurz, aber dafür umso intensiver und andere  plätschern lebenslänglich so vor sich hin. Manche Freundschaften sind nicht mehr als ein altes Foto und jede Menge Erinnerungen in einer Kiste und andere zeigen uns jeden Tag aufs Neue, was Freundschaft bedeuten kann. Freundschaft ist aber nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Aufgabe. Eine Aufgabe, die sich lohnt, denn wie Otto Bismarck bereits gesagt hat: Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert, als die Bewunderung der ganzen Welt. – dito. 

Ein Kommentar zu “Eine Ode an die Lieblingsmenschen.

  1. Wahre Worte, die so gut tun mal schwarz auf weiß zu lesen! Ich finde es so schön, aus den Zwängen der „wer ist deine beste Freundin?“ raus zu sein. Ich habe einfach in meinem Leben immer einen Menschen, eine meiner guten und engsten Freunde, der in diesem Moment für mich da ist und mir zuhört.. das muss nicht zwangsmäßig immer die gleiche Person sein. Natürlich gibt es immer Freunde die man schon ewig kennt und mit denen man ach so viele Erlebnisse geteilt. Das bedeutet aber nicht, dass diese eine beste Freundin dann auch immer für dich da sein kann. Sei es, weil sie weit weg wohnt oder aber einfach grade selbst mit ihren eigenen Problemen beschäftigt ist. Im Alltag braucht man einfach diese Hand voll Menschen, die einen verstehen und denen man sich anvertrauen kann. Und sei dies auch nur für einen gewissen Lebensabschnitt…

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