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Emma Watson und der neue Feminsimus

10496075_900772396608318_6370725859847443469_oEmma Watson ist vor den Augen der ganzen Welt groß geworden. Sie stand im Alter von elf Jahren das erste Mal vor der Kamera und war bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahres vor allem eines: Hermine Granger, die charakterstarke, besonnene, sehr kluge und manchmal ein wenig zu rechthaberische Freundin des bekanntesten Zauberschülers unserer Zeit, Harry Potter. Während andere Kinderstars mit skandalösen Outfits am roten Teppich oder der Presse zugespielten pikanten Details durchzechter Partynächte versuchten ihr niedliches Kindchen-Image abzulegen, ging Emma Watson, nachdem der letzte Harry-Potter-Film abgedreht war, zum Friseur, schnitt sich die Haare raspelkurz und wurde erwachsen. Sie schrieb sich an der Uni ein, steckte ihre Nase in philosophische Wälzer und Klassiker der englischen Literatur und war fortan im echten Leben die Musterschülerin, die sie jahrelang als Hermine gespielt hatte. Für öffentliche Auftritte scheint sie sich die Warmherzigkeit, Gelassenheit und Intelligenz ihrer zauberhaften Rolle bewahrt zu haben. Alles in allem hat Emma den Sprung in Erwachsenenleben also in bravuröser Vorzeigemanier gemeistert .

Aber Emma Watson hat nicht nur das geschafft, sondern ist in den letzten Tagen hauptsächlich wegen ihrer flammenden Rede im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York in aller Munde und hat auch mich damit mal wieder in ihren Bann gezogen. Nachdem die 24-Jährige im Mai diesen Jahres ihren Abschluss an der Brown in englischer Literatur gemacht hat, ist sie nämlich seit Juni als UN-Sonderbotschafterin für Mädchen- und Frauenrechte aktiv und ladet Männer im Zuge der Kampagne #HeForShe dazu ein, sich ebenfalls für die Gleichberechtigung der Geschlechter  einzusetzen. Dieser Aufforderung schickt sie ihre Kritik daran, dass Feminismus mittlerweile ein Synonym für Männerhass geworden sei, voran und fordert, dass diese Auffassung endgültig ein Ende haben müsse. Feminismus bedeute per Definition nämlich, dass „Männer und Frauen dieselben Rechte und Möglichkeiten haben sollten. Er ist die Lehre von der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gleichberechtigung der Geschlechter.“

Bildschirmfoto 2014-09-26 um 15.58.31Emma spricht weiters die Problematik an, dass auch Männer unter Geschlechtsstereotypen leiden und nennt als Beispiel, dass Männer ihre Männlichkeit einbüßen, wenn diese sensibel sind. Zudem stellt sie das geschlechtsbedingte Machtverhältnis von stark und schwach in Frage und bietet folgenden Lösungsvorschlag an: „Wenn Männer nicht mehr aggressiv sein müssen, um akzeptiert zu werden, werden Frauen sich nicht mehr zur Unterwürfigkeit gezwungen fühlen. Wenn Männer nicht mehr kontrollieren müssen, müssen Frauen nicht mehr kontrolliert werden.“

An Watsons Rede wurde von vielen der jugendliche Pathos belächeln. Einige befanden den ganzen Feminismuskram für einen alten Hut und taten das Ganze als Thematik, die den aufgeklärten Westen ja ohnehin nicht mehr weiter belastet, ab. Kritik, die manche im Stillen aufgrund von einer sich langsam aber sicher einstellenden Gender-Müdigkeit vielleicht sogar bejahen.

Es kam aber auch zu konstruktiver Kritik – so wagte es ein Blogger in einem offenen Brief an Emma Watson kritisch zu hinterfragen, warum sie schon längst verurteile Geschlechterrollen in ihrem Vortrag erneut in Frage stellt, nur um diese dann im Kampagnentitel durch den Aufruf #heFORshe und die damit verbundene Forderung, dass der Mann für die Frau einstehen soll, zu bedienen. Er macht darauf aufmerksam, dass der Slogan das traditionelle Bild von „Frauen und Kinder zuerst“ verstärkt und es bei einer wirklichen Gleichberechtigung der Geschlechter mehr um ein #heANDshe, ein gemeinsames Miteinander von starken Männern und Frauen, geht,  die Seite an Seite dafür sorgen, dass sowohl das eigene als auch das je andere Geschlecht gleiche Rechte und Chancen hat.

Einzelne  Stimmen rieten Emma gar bei Besenstil und Zauberstab zu bleiben. Jüngst sieht sie sich zudem nicht nur bösen Worten, sondern der tatsächlichen Gefahr, dass Hacker ihre intimen Privatfotos veröffentlichen gegenüber. Dies zeigt meiner Meinung nach lediglich wie offensichtlich bedroht sich manche Männer noch immer vom Feminismus fühlen. Schade daran ist, dass sie gerade auf eine Ansprache, die den Grundstein dafür legt, sie als gleichberechtigte Diskurspartner einzubinden, mit derartiger Aggression reagieren. Es handelt sich um Angst, die in Form von wütender Internettrollerei nach außen gekehrt wird und die Frau mal wieder auf ihren Körper reduzieren will. Erklären kann ich mir das Ganze nur schwer. Möglicherweise haben diese Männer bisher nur Feminismus erfahren, der restriktive Vorgaben macht, der Frauen verbietet weiblich  und Männern männlich zu sein. Darum geht es aber gar nicht. Vielmehr geht es um das Verbreiten einer Einstellung, die alle anderen Menschen – unabhängig von Geschecht und Sexualität, Herkunft und Sprache, Aussehen oder Religion etc. – als gleichwertig und somit als vollwertige Mitglieder einer gleichberechtigten Gesellschaft betrachtet. Das ist ein Menschenrecht. Feminismus ist ein Menschenrecht. Feminismus sollte nicht länger ein Wort und FeministIn nicht weiter eine Bezeichnung sein, bei deren Erwähnung mit den Augen gerollt wird. In diesem Sinne erhebe auch ich meine Stimme aktiv für den Feminismus: #heforshe & #sheforhe = #heandshe!

2 Kommentare zu “Emma Watson und der neue Feminsimus

  1. Die „Gleichung“ #heforshe & #sheforhe = #heandshe geht bei mir auf. Ich finde es auch nicht sehr logisch eine Kampagne, die für die Gleichberechtigung der Geschlechtersteht #heforshe zu nennen, was für mich beinhaltet, dass „She“ Hilfe von „he“ braucht und unterstützt werden muss, da Frauen „ja das schwächere Geschlecht sind“. Ich finde Emma ist eine der Menschen, die mit ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit wirklich versucht Dinge zu verändern und sich eben für die richtigen Dinge einsetzt. Kritik ist an der Kampagne angemessen, aber mit sinnlosen und unfairen Hasstiraden gegen sie „vorzugehen“, finde ich einfach dumm. #heandshe

    • Ja, das sehe ich auch so. Gleichberechtigung funktioniert nur in gleichwertigem Miteinander und nicht indem sich (nur) „he“ für „she“ stark macht!

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