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TV-Tipp: Liebes Tagebuch …

Als bekennender Fan von Diana Köhles Slam B habe ich schon recht früh vom TAGebuchslam gehört und es dennoch lange Zeit nicht hingeschafft. Das erste Mal war ich dann da, als ich im Februar diesen Jahres eine freundliche Mail bekam, zwei Karten dafür gewonnen zu haben. Schnell hatte ich meine Freundin S. eingepackt und startete auch schon bald erwartungsvoll Richtung TAG – Theater an der Gumpendorferstraße. Beschert wurde mir ein Abend voller peinlicher, teils etwas depressiver, aber stets so komischer Tagebucheinträge, dass ich mehr als nur einmal Tränen lachte und mich bei dem einen oder anderen Eintrag doch glatt an ähnliche Situationen in meiner eigenen Jugend zurückversetzt fühlte.

 

Daheim kramte ich mein eigenes Tagebuch raus. Angefangen zu schreiben hatte ich es im Alter von 12 oder 13. Zu finden sind darin am Beginn noch die selbst ausgedachte Geheimschrift mit der besten Freundin und Schilderungen meiner kleinen heilen Welt in schönster Schreibschrift, denn ich wollte wohl tatsächlich so etwas wie ein „perfektes Tagebuch“ schreiben. Lange durchgehalten habe ich das aber ganz offensichtlich nicht. Die späteren Einträge dienten dann nämlich wohl mehr dem Frustabbau meines sich selbst bemitleidenden Teenagers-Egos. Sie erzählen in eher unregelmäßigen Abständen und dafür umso längeren Update-ähnlichen Einträgen völlig unverblümt von meinen jugendlichen Sorgen: Stress mit den Eltern, die einem immer noch wie ein Kleinkind behandelen. Eifersucht auf die jüngere Schwester, die es gerade um so vieles besser hat als man selbst und die aber ganz bestimmt auch noch auf die Schnauze fliegen wird. Ein Streit mit der allerbesten Freundin, die jetzt plötzlich einen Freund hat und als Konsequenz daraus so gar keine Zeit mehr für mich. Herzzerreissenden Liebeskummer, den man glaubte niemals überwinden zu können. Das Gefühl nicht verstanden zu werden und nirgends wirklich dazuzugehören. In meinem Tagebuch habe ich viel verarbeitet. Ich erinnere mich, dass das Tagebuchschreiben für mich immer etwas Therapeutisches hatte. Danach war ich stets irgendwie erleichtert, gerade so als hätte ich mir meinen Ballast ganz einfach von der Seele geschrieben.

Bildschirmfoto 2014-10-28 um 20.51.12

Mein altes Tagebuch selbst lesen? – Ja. Es mit einem anderen Menschen teilen oder gar vor einem Publikum vortragen? – Niemals. Alle, die das beim TAGebuchslam selbst taten und tun, haben meinen vollsten Respekt. Ich und meine Fremdscham sind sehr froh, dass Diana immer wieder Leute findet, die bereit sind im Rahmen des Diary Slam ihre Teenager-Ergüsse mit uns zu teilen. Denn die allermeisten sind nun wirklich zu schade, um nur in einer Schachtel mit der Aufschrift „Jugendsünden“ oder so ähnlich vor sich hin zu schlummern.

Dass Diana, die Tagebuchschreiberlinge und das ganze Konzept hinter diesem besonderen Slam dafür jetzt auch ins Fernsehen kommen, ist meiner Meinung nach mehr als gerechtfertigt. Ich war selbst an einem Aufzeichnungstag im Publikum mit dabei und ich kann euch daher sagen, es lohnt sich einzuschalten. Immer dienstags, nach Willkommen Österreich, um 22.55 auf ORF1!

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