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The Gift

Der Animationsfilm „The Gift“ von Julio Pot zeigt das Auf und Ab einer Liebe in wenigen einfachen Federstrichen.

Symbolisiert wird die Liebe als grüner Ball, den das Strichmännchen zu Beginn des Filmes aus seiner Brust holt und seiner Angebeteten entgegenstreckt. Diese nimmt es freudestrahlend an: die Romanze beginnt! Es wird geliebt, gelacht, gedrückt – dem grünen Ball, dem geht es gut. Doch dann irgendwann ist es vorbei mit der rosaroten Gefühlswelt, der Alltag holt die Beiden ein. Es folgen Unstimmigkeiten, Reibereien und immer wieder Streit. Der grüne Ball leidet sehr. Er wird von seiner Besitzerin gequetscht, herumgeworfen und als sie geht dennoch mitgenommen, denn wie sie ihr Leben ohne den grünen Ball meistern soll, das weiß sie einfach nicht mehr. Sie hat den Ball zum Zentrum ihres Daseins gemacht. Ihn jetzt zurückzugeben? Scheinbar eine Unmöglichkeit – hängt an ihm allein doch ihr ganzes Lebensglück.
Aber auch das Strichmännchen ist ohne grünen Ball nicht vollständig. Er schafft es nicht mehr das quietschende Türchen zu seiner Brust zu schließen. Also sitzt es, wartet und weint. Schnell ist klar, retten kann ihn nur, was seine Brust zu füllen vermag. Und da Happy Endings so schön sind, sorgt nach einer kleinen Weile das Strichmädchen für die Befüllung. Es kommt zur Versöhnung, denn die Zwei haben verstanden und teilen sich nun endlich den kleinen grünen Ball.

 

Der süße Kurzfilm zeigt auf ironisch anrührende Art und Weise eine große Gefahrenquelle aller Liebesbeziehungen, die darin besteht, sich selbst für den anderen aufzugeben. Wer den anderen zum absoluten Mittelpunkt seines Universums macht, verstellt sich als logische Konsequenz irgendwann komplett den Blick auf sich selbst. Wenn man dem anderen alles gibt, was man hat und dafür aufgibt, was man ist oder wer man sein möchte, verschenkt man das eigene Glück und macht den anderen ohne mit der Wimper zu zucken dafür verantwortlich dieses aufrecht zu halten.
Eine große Aufgabe, der man eigentlich gar nicht gewachsen sein kann, denn wie schon ein altes Sprichwort sagt „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ und das ist meist schon Verantwortung genug. Glücksschmied für eine oder einen anderen zu sein kann eine Zeit lang gut gehen, doch früher oder später, ist das entweder eine Last, die man als Glücklich-Macher einfach nicht mehr tragen kann oder ein Geschenk das man als Glücks-Vergeber unglaublich gerne wieder zurückhaben möchte.
Auf Dauer gesehen, ist die Hälfte in der Liebe eben manchmal besser als das Ganze. Oder anders gesagt: Wenn man all das aufgibt, was einen ausmacht, gibt man schnell auch das auf, in was sich der andere ursprünglich verliebt hat. Zugespitzt formuliert und egoistisch ausgedrückt, könnte man sagen, dass sich jeder selbst immer noch am nächsten ist. Das klingt jetzt extrem nüchtern und alles andere als romantisch. Aber wie dieser kleine Film zeigt hat grenzenlose Aufopferung mit einer gesunden Beziehung eben genauso wenig etwas zu tun, wie nur zu nehmen und nichts zu geben. Die Lösung des Problems liegt also vermutlich – wie so oft – in der goldenen Mitte.

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