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5 Tage Detox – und jetzt?

Wie im Artikel „(beach)ready or not …“ erwähnt, bin auch ich dem  Detox-Wahnsinn verfallen und habe meinen Körper vor nicht allzu langer Zeit einer Entgiftungskur unterzogen. Ich wollte einfach endlich mal selber wissen, was es mit dem neuesten Trend, der einen regelrechten Hype in der weiblichen Social-Media-Welt auslöst, auf sich hat. Denn: was soll schon verkehrt daran sein mit einer kurzfristigen Ernährungsumstellung Körper und Seele zu reinigen, dabei noch Gewicht zu verlieren und einen dringend nötigen Energieschub zu kriegen? Vor allem letzteres war mir persönlich ziemlich wichtig, da ich mich seit längerem schlapp, antriebs- und lustlos fühlte, viel mehr Schlaf als sonst brauchte und meine sieben Zwetschken nicht so gut, wie ich es von mir eigentlich gewohnt bin, auf die Reihe brachte.

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Dass das mit einer Nahrungsumstellung besser werden könnte, ist mir schon öfters durch den Kopf geschossen. Dabei ist es nun wirklich nicht so, dass ich zu den Menschen gehöre, die sich nur von Fast Food und Süßkram ernähren. Ich würde sogar sagen, dass ich mich ziemlich ausgewogen und abwechslungsreich ernähre. Nicht zuletzt deswegen, weil ich auch gerne selbst koche und mir meine Mahlzeiten in der Regel frisch zubereite. Ich liebe und esse daher täglich Obst und Gemüse, bin ein echter Salat-Fan, trinke eher selten zuckerhaltige Getränke und esse kaum Wurst oder Fleisch. Trotzdem stehe ich aber auch auf Pasta und Pizza, auf Gerichte mit Reis oder Kartoffeln, esse mehrmals in der Woche Brot mit Käse, gönne mir hin und wieder einen Latte Macchiato, einen Becher Eis oder eine Tafel Schokolade. Wenn sich das Ganze in einem ausgewogenen Rahmen bewegt, dachte ich, bis vor kurzem, mache ich alles richtig und ernähre mich im Großen und Ganzen gesund. Wenn man sich die neuesten Ernährungstrends, die sich als Lifestyle sehen, aber mal genauer ansieht, dann wird aus dem Terminus gesund gleich clean und da habe ich dann wohl doch noch einiges an Aufholbedarf.

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Clean Eating ist grob erklärt ein Ernährungskonzept, bei dem es allem voran darum geht, möglichst unverarbeitete Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Denn: je mehr Nahrungsmittel modifiziert und verändert wurden, desto schlechter sind diese für unseren Körper. Das ist so, weil einerseits wertvolle Nährstoffe zerstört werden und andererseits Zusatzstoffe, die Haltbarkeit verlängern oder Geschmack verstärken sollen, hinzugefügt werden. Clean Eating bedeutet nun nicht, dass man nur Rohkost in rauen Mengen in sich hineinstopfen darf – nein, es geht darum aus möglichst natürlichen Zutaten „sauberes reines Essen“ zuzubereiten anstatt sich von künstlichen fertig hergestellten Lebensmitteln zu ernähren.

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Das habe nun wie gesagt auch ich über eine Detoxkur, die auf dem Clean-Eating-Konzept basiert gemacht. Die Idee dahinter war meinen Körper hauptsächlich durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel zu entschlacken. Schlacken sind die unerwünschten Stoffe – wie zum Beispiel bestimmte Chemikalien in industriell gefertigter Nahrung -, die sich in unserem Körper ablagern, ihn übersäuern, vergiften und fett werden lassen. Die Vorstellung ist nun, dass diese Schlacken durch den Verzicht auf bestimmte Produkte ausgeschieden werden. Nachdem ich mich genauer in das Thema eingelesen hatte, staunte ich nicht schlecht, dass diese ganzen Entschlackungskuren meinen Recherchen zufolge bis zum jetzigen Zeitpunkt zwar keine wissenschaftliche Basis haben, sie dafür aber umso reichlicher und in verschiedensten Ausführungsformen beschrieben im Internet zu finden waren. Für einen dieser auf Clean Eating basierenden Detox-Pläne, der auf fünf Tage ausgerichtet war, entschied ich mich dann. Vorneweg muss ich an dieser Stelle aber gleich zugeben, dass ich lediglich viereinhalb Tage durchgehalten habe und am fünften Abend aus gesellschaftlich-sozialen Gründen einen Salat mit Hühnerstreifen, Feta und Brot gegessen habe. Alles daran ist verboten und daher schlecht – bis auf den Salat. Aber auch vier Tage ohne Essig, Salz und Zucker, Aufputschmittel wie Kaffee oder Alkohol, tierische Produkte, Nahrungsmittel auf Weizen- oder Stärkebasis, ohne Kartoffeln, Reis, Couscous oder Fruchtzucker-starkes Obst wie Bananen, Trauben, Avocados und Kakis hatten es in sich.

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Ausgesehen hat das Ganze im Detail dann so, dass ich jeden Morgen mit einem Glas heiße Zitrone anstelle meines heiß geliebten Milchkaffees in den Tag gestartet bin. Noch vor der ersten Mahlzeit kurbelte das Glas heiße Wasser mit einer halben ausgepressten Zitrone meinen Stoffwechsel ordentlich an. Generell habe ich an den ganzen Tagen sehr viel mehr Flüssigkeit als sonst zu mir genommen, nicht zuletzt um Heißhungerattacken zumindest kurzfristig zu unterdrücken. Zum Frühstück gab es dann meist Beeren mit Haferbrei. Das esse ich auch sonst oft, weshalb ich mich nur dahingehend umstellen musste, die Haferflocken mit etwas Wasser statt mit Milch (tierisches Produkt!) anzurühren.

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Meine Mittags- und Abendspeisen hingegen waren eine echte Umstellung! In meinen Einkaufskorb wanderten dafür mir bisher nur rein namentlich bekannte Produkte wie Amaranth, Quinoa oder Mandelmus, deren beträchtlicher Preis mich erstmal schlucken ließ. Hinzu kamen Hülsenfrüchte wie zum Beispiel Rote Bohnen, das erlaubte Obst und jede Menge knackiges Gemüse wie Zucchini, Karotten, Brokkoli oder Paprika. Die Zubereitung der Gerichte, die ich mir damit machte, war teilweise sehr zeitintensiv. Hauptsächlich aber, weil das Gemüseschnippeln so lange brauchte oder Quinoa beim ersten Mal nicht ganz so leicht von der Hand geht (es fehlten mir anfangs die Erfahrungswerte, wie „durch“ das Zeug sein muss, um es genießen zu können). Im Großen und Ganzen machte mir dieses naturbelassene Kochen aber Spaß und fühlte sich irgendwie so back-to-the-roots-mäßig und dadurch richtig gut und gesund an. Gewürzt wurden die Zoodles (so nennen ernährungsbewusste Menschen ihre selbst zubereiteteten Nudeln aus Zucchinis), die Tofu-Gemüse-Pfanne und der Kichererbsen-Paprika-Salat mit frischen Kräutern, Curry, Paprikapulver, viel Pfeffer, Zwiebeln und Knoblauch. Alles war frisch, gut bekömmlich und auch wirklich lecker. Dennoch: mir fehlte einfach etwas! Das Gewürz, das eigentlich gar keines ist und normalerweise jede meiner pikanten Speisen verfeinert. Es fängt mit S an und hört mit Z auf und ich hatte bei beinahe wirklich jedem Essen das Gefühl, eine Prise davon, würde ihm geschmacklich noch den letzten Schliff verpassen. Ähnlich schwer fiel mir während meinem Detox der Verzicht auf Milchprodukte. Ich sehnte mich vor allem nach cremigem Joghurt und duftendem Käse. Auch Kohlenhydrate-lastige Produkte wie Brot und Nudeln gingen mir vor allem gegen Ende der Detox-Zeit richtig ab. Ich wünschte mir einfach etwas Gehaltvolles zu mir zu nehmen. Etwas, das im Stande war meinen Magen zu sättigen.

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Nichtsdestotrotz war das Ganze für ein paar Tage gut machbar und hatte eine ganze Reihe positiver Nebeneffekte. Ich denke, dass ich durch das Detox vor allem meine Geschmacksknospen sensibilisiert habe – selbst jetzt, beinahe drei Wochen nach der Entgiftungskur, verwende ich Salz, Essig und Zucker relativ sparsam, kaufe viel frisches Obst und Gemüse und probiere hin und wieder ein cleanes Rezept aus. Ich genieße den Vorgang des Essens an sich wieder viel mehr und nehme mir Zeit um zu genießen. Was ich zudem  tatsächlich zurückgewonnen habe, ist jede Menge Energie. Ich verspürte während der Kur zwar hin und wieder leichte Kopfschmerzen, wachte dafür aber bereits ab dem zweiten Tag jeden Morgen von selbst ziemlich früh auf und bekam in der Woche teilweise sogar spätabends noch Lust auf Sport und darauf mich im Fitnessstudio auszupowern. Ob ich Gewicht verloren habe, kann ich im Übrigen nicht sagen. Ich habe doch tatsächlich ganz darauf vergessen, mich am ersten Tag zu wiegen. Im Nachhinein fand ich das dann aber gar nicht so schlecht. Ich glaube nämlich, dass viele in erster Linie detoxen oder clean leben, um abzunehmen. Was gesund sein soll, kann hier schnell auch gesundheitsgefährdend werden. Vorher-Nachher-Bilder mit erstaunlichen Gewichtsverlusten machen auf den Trend aufmerksam und verleiten zur Nachahmung. Geht es  nur darum, möglichst schnell, möglichst viel abzunehmen, ist der Sinn von Detox für mich reichlich verfehlt. Radikaldiäten sollten nicht unter dem Tarnmantel von Detox oder irgendwelcher anderer Ernährungsweisen stehen, nur weil diese in unserer Gesellschaft momentan gerade angesehen und hipp sind.

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Versteht mich nicht falsch, es ist bestimmt nichts verkehrt daran, den Körper beispielsweise einmal im halben Jahr zu entgiften und auch Clean Eating ist durchaus ein Ernährungskonzept, dem ich etwas abgewinnen kann, da es das Bewusstsein darüber, was man im Alltag so alles für einen Dreck in sich hineinstopft, schärft. Das Ganze durchgängig und total zu leben, kommt für mich persönlich aber aus  mehreren Gründen nicht in Frage. Clean Eating ist wirklich alles andere als leicht umsetzbar und nicht gerade günstig. Einkäufe müssen gewissenhaft geplant werden, wobei viele der spezielleren Zutaten, wie bereits gesagt, einiges an finanziellen Ausgaben fordern. Clean Eating ist zeitintensiv. Es dauert, sich die Speisen zu- und, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, vorzubereiten. Man muss in der Küche kreativer werden. Am schlimmsten aber, fand ich persönlich die Erfahrung, abends in geselliger Runde am Wasserglas zu nippen, während alle anderen Radler trinken und Burger mit Pommes in sich reinschaufeln. Das verdirbt einem wirklich ein wenig die Geselligkeit. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mich nach der Entgiftung wirklich fitter und engergiegeladen gefühlt habe. Und selbst, wenn das – was gut möglich ist – nur eine Kopfsache, also reine Einbildung, ist, ändert das ja nichts an meinem neu erweckten Tatendrang. Ich habe in den fünf Tagen aber auch gelernt, dass man dafür nicht tagelang strikt auf alles verzichten muss, sondern, dass es ausreicht, auf seinen Körper zu hören und das gilt eben nicht nur dann, wenn du Lust auf einen knackigen Apfel hast, sondern auch, wenn dir der Duft von frisch gebackenem Baguette in die Nase steigt und du einfach nicht mehr widerstehen kannst.

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