LEBEN & KULTUR/Musik

Neues Boy-Album: We were here

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Gestern ist das neue Album von Boy erschienen. Boy ist das Pop-Duo Valeska Steiner und Sonja Glass. Die Musik ihres zweiten Albums „We were here“ ist nach einer vierjährigen Pause still und leise zwischen Hamburg und Zürich, wo die beiden Musikerinnen beheimatet sind, entstanden. Seit ihrem letzten Album „Mutual Friends“ ist es aber nur scheinbar ruhig geworden um Boy. Sie haben dafür die Goldene Schallplatte gekriegt, ihre Single „Little Numbers“ wurde auf Youtube mittlerweile bald 15 Millionen Mal geklickt, landete in einer Lufthansa-Werbung und im Soundtrack des deutschen Kinofilms „Kein Sex ist auch keine Lösung“ und kletterte im Ausland die Charts hoch. Die beiden haben in der Zwischenzeit deshalb Konzerte in ganz Europa, in Japan, den USA und Kanada gespielt. Sie haben Fans in Brasilien und Mexiko. Sie waren in Kontakt mit einem amerikanischen Radiosender, der ihnen 45 Minuten Sendezeit widmete und in Minneapolis standen sie zu ihrer eigenen Überraschung vor einem Publikum, das Wort für Wort von „Drive Darling„, „Army“ oder „Skin“ mitsingen konnte.

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Dass man bei Boy die Texte mitsingen kann, verwundert mich hingegen überhaupt nicht, denn neben der Tatsache, dass ihre Musik von eingängigen und stimmig arrangierte Melodien, die dank der Hochschulherkunft seiner Produzentinnen von akademischer Präzision sind, lebt, spricht sie vor allem ihren Hörenden gut zu. Die Songs sind so diffus offen, dass jede und jeder sich darin wieder finden kann. Man wird verleitet zu denken, es gehe um einen selbst, den letzten Umzug, aktuellen Herzschmerz, was man fühlt, wenn man mit lieben Menschen zusammen ist oder wenn man nach einer langen Partynacht morgens heimkommt. Boy scheint für jede Situation die richtigen Worte zu finden und ist wie die beste Freundin, die tröstet, Hoffnung gibt, die deinen Rücken streichelt, wenn du weinst, die aber danach wieder mit dir um die Häuser zieht, spontan einen Roadtrip mit dir macht, alle Sorgen weglacht und an lauen Sommernächten mit einem Bier in der Hand neben dir am Donaukanal abhängt. Boy kann mit dir traurig sein, aber noch viel besser glücklich, denn das Duo schafft es mit seinen Songtexten vielen wichtigen Themen des Lebens etwas Schwermut zu nehmen. Boy sorgt dafür, dass wir nicht in Traurigkeit zerfließen, weil etwas vorbei ist, sondern es dafür wertschätzen, dass es schön war.

Ganz wie bisher finden auch die neuen Songs von Boy schnell Zugang ins Ohr und bleiben über ihre leichte Poesie gut im Gedächtnis. Steiner und Glass haben lediglich auf weniger Akustik und mehr Hall gesetzt. Das Album wirkt auf den ersten Blick etwas erwachsener und gleichzeitig poppiger als sein Vorgänger, bleibt dabei aber ziemlich verspielt ohne etwas von seiner mädchenhaften Unschuld einzubüßen und ist vor allem eines: offen für Interpretationen. Das Album, das, wie Valeska Steiner sagt, eigentlich ein Nachtalbum ist und die blaue Stunde, also die Zeit der Dämmerung, bevor es richtig finster wird, einfangen soll ist für die einen eine Handvoll Songs, die nach erster Liebe und Break-Up klingen und für die anderen tönt das Ganze einfach nach fröhlich-faulen Badetagen am See.

Aber am Besten macht ihr euch selbst ein Bild und hört einfach mal rein! Wem’s gefällt: Boy geht auf Tour und spielt am 2. November auch in der Arena in Wien.

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