GEDANKENSPIELE/Generation Y

Über Entscheidungen und das große Ganze

Ich bin ein großer Fan trefflicher Zitate. Das liegt allem voran daran, dass ich mich manchmal über fremde Worte um einiges besser ausdrücken kann, als durch meine eigenen. Besonders in einschneidenden Lebenssituationen herrscht in meinem Kopf oft heilloses Chaos. Wenn die Gedanken durcheinander fliegen, sich aneinander reiben und im Kreis drehen, finde ich es tröstlich auf ein paar einfache aber nicht minder weise Sätze zu stoßen, auf klare Worte, die endlich alles auf den Punkt und so das Karussell in meinem Kopf zum Stehen bringen.

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So geschehen auch letztens: ich fand mich gerade in einer Reihe für mich persönlich sehr schwieriger Entscheidungen wieder, von welchen gefühlsmäßig mein gesamtes Lebensglück abhängig zu sein schien, als mich folgender Satz plötzlich wachrüttelte: „What screws us up most in life is the picture in our head of how it’s supposed to be“. Und da ist definitiv sehr viel dran, denn wir alle haben ein Bild davon im Kopf, wie unser Leben auszusehen hat. Damit meine ich nicht, dass alles konkret und bis ins kleinste Detail geplant ist, aber wir haben ja doch schon alle ziemlich fixe, wenn uns auch nicht immer bewusste Vorstellungen davon, wer wir im Grunde sein und wie wir unser Leben leben wollen. Diesen Ideen entsprechend malen wir uns jenes ideale Lebenskonzept aus, von welchem wir denken, dass es uns auf Dauer glücklich machen wird. Wir setzen uns Ziele danach, handeln basierend darauf und allem voran fällen wir Entscheidungen.

Solche Entscheidungen treffen wir tagtäglich – die meisten davon gehen uns leicht von der Hand. Ohne groß darüber nachzudenken oder auch nur einmal mit der Wimper zu zucken, wissen wir, ob wir Option A, B oder C wollen, solange wir nur im Hinterkopf immer unser Ziel fest im Blick behalten. Manchmal aber stehen auch Entscheidungen an, bei denen man unsicher wird und immer dann, wenn man das Bild im Kopf nicht mehr ganz so klar sieht, fragt man sich, ob man irgendwann alt und grau im Schaukelstuhl sitzen und sich denken wird: Hätte ich doch nur … hätte ich doch damals einfach mal gemacht, einen anderen Weg eingeschlagen oder wirklich was gewagt!

Je älter wir werden, desto mehr solcher eher schwieriger Entscheidungen stehen an. Das hat viel damit zu tun, dass man dem großen Ganzen, das man sich für sein Leben ausgemalt hat, immer näher kommt, vielleicht sogar schon ein bisschen drin steckt und das macht Angst. Vor allem dann, wenn plötzlich Zweifel mitmischen, ob das, auf was man da zusteuert, auch wirklich immer noch das ist, was man vor zehn Jahren, vor fünf Monaten oder drei Tagen noch so unbedingt wollte. Egal, ob es nun der Job, die Stadt, in der man lebt oder die Beziehung, in der man sich befindet, ist – es gibt so viele andere hübsche Optionen, die natürlich gerade deshalb besonders reizvoll erscheinen, weil man sie nun mal nicht gewählt hat und daher nicht weiß, wie sie sich anfühlen.

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Sollte sich später herausstellen, dass diese aber eigentlich besser gewesen wären, kommt das große grässliche Bereuen und um eben dieses zu vermeiden, zermartert man sich schonmal vorab das Hirn auf der Suche nach der hundertprozentigen Sicherheit. Der Kopf wägt dabei stets aufgrund gemachter Erfahrungen ab, was zu tun ist. Unter diese Erfahrungen fällt natürlich auch die Erkenntnis, dass man dem eigenen Gefühl nicht immer trauen kann, dass einem das Herz in der Vergangenheit auch schon das eine oder andere Mal in die Irre geführt hat. Die Erinnerung daran lässt einem sich seiner eigenen Verletzlichkeit bewusst werden, weswegen das letzte Machtwort des Kopfes in Entscheidungssituationen, die auf Sicherheit aus sind, in den allermeisten Fällen das leise Pochen im Herzen übertönt. Die Frage ist aber, ob eine solche Sicherheit überhaupt relevant ist. Ist es nicht viel wichtiger, dass die Entscheidung sich, als man sie getroffen hat, richtig angefühlt hat?

Und wenn sich später rausstellen sollte, dass es doch nicht klappt? Wenn der scheinbare Traumjob keinen Spaß macht, das Leben in der neuen Stadt von viel zu viel Heimweh überschattet ist oder die Beziehung in ihren letzten Atemzügen liegt, ja dann ist das natürlich erstmal richtig mies. Unsere Erwartungen wurden enttäuscht, unsere Energien scheinen verschwendet und wir wissen es ist vielleicht an der Zeit, dieses Bild im Kopf, wie das Leben sein sollte, neu zu überdenken. Wichtig ist aber, dass egal welche neuen Techniken oder Farben wir dafür anwenden, wir wissen, dass wir es wenigstens versucht haben und wir uns selbst, auch auf die Gefahr hin, zu fallen, treu geblieben sind – denn das Bild im Kopf malen wir immer noch selbst.

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4 Kommentare zu “Über Entscheidungen und das große Ganze

  1. Auch von mir DANKE! Wenn du ahnen würdest wie treffend dein Post gerade zu meinen Leben passt…

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